Kriegshelden

In der Jugendgruppe haben wir letztens ein Wikinger-Schach gebastelt. Die Wikinger waren schon ein ein bekanntes Volk mit Ihrer Schifffahrt. Gefürchtet waren sie aber auch: Für Plünderei und Kämpfe waren sie massenweise verantwortlich.

Auch heutzutage gibt es massenweise Kämpfe und Kriege. Im letzten Jahr finden wir über 10000 Todespfer in Syrien, Afghanistan, Irak und Nigeria. Sogar die mexikanische Drogenmafia und ihre Bekämpfung schaffen fünfstellige Toteszahlen. 

Zu Kriegen geht mir immer ein Song durch den Kopf: „Hero of War“ von Rise Against, der von einen Soldat und seinen Erlebnissen erzählt.

Rise Against – Hero Of War

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Um den Song komplett zu verstehen, muss man wohl das amerikanische Bild eines Soldaten kennen. Ein solcher gilt dort als Held, er ist Kämpfer für sein Land und genießt dort gute Rückendeckung. Kriegsveteranen bekommen in USA auf Wunsch eigene Kennzeichen, spezielle Plätze bei Veranstaltungen, Vergünstigungen im ganzen Land… Sage nichts gegen einen amerikanischen Soldaten, sonst machst du dich sehr unbeliebt!

Wie zu Beginn des Songs, wird der Beruf auch attraktiv verkauft. Welche junge Mensch möchte nicht die ganze Welt sehen und dafür sogar noch bezahlt werden? Auch andere Länder verkaufen attraktiv. Bei meiner Musterung verstand auch die Bundeswehr die Tätigkeiten eines Wehrpflichtigen interessant zu machen. Selbst der IS bietet seinen Soldaten Aussicht auf viel Geld und die eigene Heiligkeit.

Schon eine Strophe später geht es los für unseren Soldat: Uniform, Abzeichen für jeden Rang und Verdienst, die pflegt man, und poliert seine Stiefel. Haarschnitt naja, schon okay. Das Gruppengefühl wird bewusst aufgebaut, alle werden Freunde in der Vorbereitung für den Krieg.

Im Refrain verrät uns der Soldat seinen Antrieb: Ein Kriegsheld wollte er sein. Jemand auf den er stolz sein könne, und andere stolz sein können. Das war ihm – wie oben beschrieben – im Heimatland sicher, und für dieses war er bereit alles zu opfern.

Ohne Rücksicht auf Verluste oder Nebenwirkungen zieht er dann auch in den Krieg. Wir erfahren wie er seine eigene Moral aufgibt, da seine neuen Freunde dabei auch so viel Spaß haben. Wie geil ist es doch, Macht zu haben! Wir sind die Guten, die Helden, wir dürfen den anderen demütigen. Diese Macht steigert sich im weiteren Verlauf so sehr, dass er eine unschuldige Frau erschießt, weil sie nicht das zu tun scheint, was er möchte. Dabei wollte sie nur Frieden. Erst im Nachhinein stellt er fest, dass er mächtig Scheiße gebaut hat.

Als er dann zurück kommt, sieht ihn die Gesellschaft als genau das, was er wollte: Als Kriegsheld. Mit Wunden und Medaillen kommt er heim und wird gefeiert. Nur er kann nicht mitfeiern.

Es ist wohl schwer einen Soldaten, und was er durchmacht, zu verstehen, wenn man selbst nicht einer war. Rise Against hat hier Erfahrungen verschiedener Soldaten verarbeitet und etwas zusammengestellt, das uns einen Einblick ermöglicht.

Manchmal faszinieren sie mich sogar. Ein Soldat, den ich in USA kennen lernen durfte, postete letztens auf Facebook, dass man Muslime nicht einfach verurteilen soll. Er habe sie in Afghanistan als ganz normale, vernünftige Menschen kennengelernt mit denen man gut seine Zeit verbringen kann. Wie schön waren seine Erzählungen vom täglichen Zusammensein, wie schlimm die hasserfüllten Kommentare darunter, die sogar ihn nieder machten. Dabei war er der einzige der wirklich diese Welt gesehen hat.

Wenn ich ganz ehrlich bin, muss ich sogar sagen, wir brauchen aktuell wohl sogar Soldaten. Es ist einfach unmöglich von heute auf Morgen alle abzuschaffen. Das ganze Kriegsthema ist wohl sehr komplex und es gibt keine einfache Lösung dafür.

Aber was haben jetzt Soldaten mit uns zu tun? Zuerst mal nicht viel, aber der Verantwortung können wir uns auch nicht entziehen. Mein Job in der IT eine Bank sorgt dafür, dass Berater unsere Kunden bedienen können. Mit dabei: Vater Staat, welcher am Ende Geld bei uns anlegt, dass auch bei Soldaten landen kann. Also auch ich mache Krieg möglich; auch wenn ich in der dadurch erreichten Sicherheit in Deutschland wenig davon hautnah miterlebe.

Und jetzt noch ein paar Schritte Abstand nehmen von den Soldaten und uns die Fragen stellen: Führen wir nicht selbst unsere eigenen Kämpfe? Wenn wir denken, dass wir Recht haben; wenn wir uns einreden, „Gutes“ zu tun; wenn wir Machtpositionen ausnutzen; wenn uns die Gesellschaft sagt, es sei richtig; wenn wir aus Rache handeln; wenn wir nicht an andere denken, keine Rücksicht nehmen; wenn wir der Held sein wollen, der die Welt verbessert; wenn wir aus Stolz handeln.

Genau das, dieser Stolz, ist etwas, das Gott nicht gefällt bzw. uns von ihm trennt. Das kann man zum Beispiel in Lukas 18, 9-14 nachlesen. Hier erzählt Jesus von zwei Pharisäern (den, die damals alle Regeln befolgten) und einem Zolleinnehmer (von allen verhasst, da er etwas tat, dass man nicht tun sollte). Letzterer bat Gott um Gnade; die Pharisäer bedankten sich stolz bei Gott, dass sie ganz anders sein. Der Zolleinnehmer wurde unschuldig gesprochen, die anderen nicht.

Auch im heutigen christlichen Kontext begegnet mir manchmal so etwas. Just als ich diese Andacht vorbereitet habe, habe ich im Zug jemanden hören dürften, der seinem Gegenüber erzählte: „Ich verstehe nicht, wie man nicht an Gott glauben kann.“ Seine Argumente waren alle richtig, aber trotzdem war es irgendwie falsch, die anderen damit pauschal abzulehnen. Ja, wir haben den Auftrag, Gott vor den Angreifern zu vertreten und werden vor Ihnen gewarnt. Aber wir haben keinen Kriegsbefehl gegen sie bekommen. Ganz im Gegenteil, in der Bergpredigt sagt uns Jesus sogar, nicht auf unser Recht zu pochen, sondern unsere Feinde zu lieben (Matthäus 5, 38-48).

Aber wie kämpfen wir dann? Mit was werden wir gerüstet? Mit einer anderen Art von Waffen. In Epheser 6, 10-17 finden wir die Antwort (nach der NGÜ):

Nun noch ein Letztes: Lasst euch vom Herrn Kraft geben, lasst euch stärken durch seine gewaltige Macht! Legt die Rüstung an, die Gott für euch bereithält; ergreift alle seine Waffen! Damit werdet ihr in der Lage sein, den heimtückischen Angriffen des Teufels standzuhalten. Denn unser Kampf richtet sich nicht gegen ´Wesen von` Fleisch und Blut, sondern gegen die Mächte und Gewalten der Finsternis, die über die Erde herrschen, gegen das Heer der Geister in der unsichtbaren Welt, die hinter allem Bösen stehen. Deshalb greift zu allen Waffen, die Gott für euch bereithält! Wenn dann der Tag kommt, an dem die Mächte des Bösen angreifen, ´seid ihr gerüstet und` könnt euch ihnen entgegenstellen. Ihr werdet erfolgreich kämpfen und am Ende als Sieger dastehen. Stellt euch also entschlossen ´zum Kampf` auf! Bindet den Gürtel der Wahrheit um eure Hüften, legt den Brustpanzer der Gerechtigkeit an und tragt an den Füßen das Schuhwerk der Bereitschaft, das Evangelium des Friedens zu verbreiten. Zusätzlich zu all dem ergreift den Schild des Glaubens, mit dem ihr jeden Brandpfeil unschädlich machen könnt, den der Böse gegen euch abschießt. Setzt den Helm der Rettung auf und greift zu dem Schwert, das der Heilige Geist euch gibt; dieses Schwert ist das Wort Gottes.

Boah. Nutzt du immer diese Waffen? Wenn wie ehrlich sind, sind dies die einzig notwendigen. Ergänzen darf man aber auch noch, wenn wir doch mal selbstsüchtig sind oder hochmütig waren, dann können wir auch jederzeit das tun was der Zolleinnehmer tat: Gott all unsere Sünden bekennen und um seine Gnade bitten.

Es bleibt festzuhalten: Es ist furchtbar schwierig. Wir werden hier immer wieder mit Anfeindung, Konflikten, Kämpfen und Kriegen zu tun haben. Wir sollen diesen mit göttlichen Waffen begegnen. Aber auch niemand hat uns versprochen, dass wir immer gewinnen werden. Jedoch sind auf der Erde alle Siege vergänglich; keiner gewinnt für immer. Es gibt aber einen Sieg, der gilt ewig: Jesus bezwang den Tod, für unser Leben auf Ewigkeit.